Rohfüttern Katze


Rohfütterung Katzen

BARF für Katzen?

Immer wieder werde ich gefragt, ob eine Rohfütterung für Katzen schädlich ist. Nie oder selten werde ich gefragt, ob Industriefuttermittel schädlich sind. Wie auch bei uns Menschen kommt es auf die Qualität der Rohstoffe an, die gefüttert werden.

Industriefuttermittel sind aufbereitete Nahrungskomponenten. Auch bei uns Menschen macht es einen Unterschied, ob wir nur aus der Dose leben oder regelmäßig frische Zutaten zum Kochen verwenden. Schädlicher als Industriefutter kann eine Rohfütterung sein, wenn wichtige Komponenten wie bspw. Taurin vergessen werden.  

Ist Ihre Katze chronisch erkrankt, sollten Sie sich auf jeden Fall ausführlich beraten lassen oder sich die entsprechende Fachliteratur besorgen, bevor Sie eine Futterumstellung vornehmen, da man hier auf einige Besonderheiten achten muss.


Warum rohes Fleisch füttern?

Die Diskussionen um das sogenannte BARF – Bones and Raw Foods – Biologisch artgerechtes, rohes Futter – findet schon seit Jahren statt. Viele Tierärzte raten inzwischen von einer Rohfütterung mit der Begründung ab, dass Probleme, wie etwa Mangelzustände oder Magen/Darmprobleme durch unausgewogene Futterrationen entstehen können. Da viele Industriefuttermittel auf ein Durchschnittstier abgestimmt sind, stellt sich die Frage, ob diese dem Tier eher gerecht werden können, als die individuelle Zusammenstellung einer Rohportion. Beim Menschen wissen wir, dass eine Ernährung mit Fertiglebensmitteln auf Dauer ungesund ist. Erkrankt ein Mensch, wird ihm geraten, auf gesunde Kost zu achten. Tiefkühlpizza, Chips und Pommes gehören in der Regel nicht dazu. Dennoch gibt es Menschen, die rauchen und sich schlecht ernähren und trotzdem sehr alt werden. Warum sollte das beim Tier anders sein?


Gibt es Vergleichsstudien?

Wir verzeichnen bei der Katze heute eine deutliche Zunahme an Erkrankungen, wie Niereninsuffizienz in jüngeren Jahren. Auch Übergewicht und dessen Folgeerkrankungen sind auf dem Vormarsch. Liegt dies unter anderem am Futter? Genaue Vergleichsstudien zwischen Tieren, die roh gefüttert werden, und Tieren, die mit Industriefuttersorten gefüttert werden, gibt es nicht. Daher kann niemand genau sagen, was nun besser für das Tier ist. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Probleme allein durch eine Futterumstellung deutlich gebessert werden können.  


Was bedeutet es zu BARFen?

Roh zu füttern bedeutet selber Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört die ausgiebige Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Ihrer Katze. Hauskatzen brauchen in der Regel viel weniger als Freigänger, da sie die meiste Zeit mit Schlafen verbringen. Ihre Katze ist einzigartig. Es gibt sie kein zweites Mal. So sind auch die Bedürfnisse an die Fütterung einzigartig. Es kann daher nur Richtlinien, jedoch keine genormten Regeln bei der Fütterung geben. Es gibt inzwischen eine Reihe an Tierärzten und Tierheilpraktikern, die nach Alter, Gewicht und zu erwartender Größe des Tieres einen individuellen Futterplan zusammenstellen können.  

Sie denken jetzt vielleicht, eine Dose zu öffnen ist einfacher. Rohfütterung eine reine Gewöhnungssache. Haben Sie den Dreh erst einmal raus, wird es schnell zur Routine.  


Was gehört zu einer ausgewogenen Rohkost für meine Katze?

Bitte beachten Sie, dies gilt nur für gesunde Katzen!

  1. Menge: 20-30 gr pro kg Katze  (bei Kitten im Wachstum eher mit 30-40 gr rechnen) pro Tag. 
  2. Art des Fleisches: alles außer Schweinefleisch. Sie können auch Innereien füttern (Hühnermägen etc). Beachtet werden sollte dabei Folgendes: Leber nur in kleinen Mengen, da hier die Gefahr einer Vitamin A Überversorgung besteht. Nieren mögen die meisten Katzen nicht so gerne.
  3. Wichtig zu beachten: Katzen können im Darm kein Taurin synthetisieren. Daher muss es entweder über regelmäßige Fütterung von Hühnerherzen (der einzige Muskel, in dem Taurin in ausreichender Menge vorkommt) oder über eine Substitut gegeben werden.
  4. Knochenanteil: Um mit Calcium, Phosphor u.ä. versorgt zu werden, brauchen Katzen Knochen (oder ein entsprechendes Subsitut – finden Sie auch in Lillis Bar). Knochen können u.a. in Form von Hühnerflügeln gefüttert werden. Wichtig ist, dass diese roh sind, da sonst die Knochen splittern können, was zu schweren Verletzungen des Schlundes und der Magenschleimhaut führen kann.
  5. Gemüse: Auch Katzen brauchen einen kleinen Anteil an Gemüse, da dies die Darmperistaltik in Gang hält. Hierzu wird das Gemüse fein püriert und von der Menge ca. die Hälfte der Größe eines Eiswürfels pro Mahlzeit verfüttert, indem dies einfach mit den Fleischbrocken vermischt wird. Sie können dies vorbereiten, indem Sie eine Ladung Gemüse pürieren und dies in Eiswürfelbehältern im Eisfach einfrieren. Wenn dies zu umständlich ist, kann man auch Gemüsepulver oder Flocken nehmen (auch unter Lillis Bar zu finden)
  6. Öl: Um die Versorgung mit Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu gewährleisten, sollten pro Mahlzeit einige Tropfen Öl über das Futter gegeben werden. Die beiden genannten Fettsäuren sind allerdings nicht in allen Ölen zu finden. Hier bieten sich folgende Ölsorten an: Nachtkerzenöl (ist jedoch recht teuer) oder Demeter Weizenkeimöl. Wichtig ist, dass das Öl hochwertig ist.
  7. Salz (Natrium): Natrium wird normalerweise über das Blut der Futtertiere aufgenommen. Es sollten pro Tag daher ca. 0,25mg Speisesalz zum Futter gegeben werden (bei Kitten entsprechend weniger).
  8. Am Anfang hilft es, die genaue Futterportion auszurechnen. Schauen Sie mal unter folgendem Link: http://barf-kalkulator.de. Dieser Barfkalkulator eignet sich jedoch nicht für die Berechnung von Futterportionen bei erkrankten Katzen.  

Da wenig darüber bekannt ist, ob das Einfrieren von Fleisch Auswirkungen auf die Inhaltsstoffe hat, rate ich dazu, nicht nur Tiefkühlfleisch zu füttern.


Tipps zur Umstellung von wählerischen Katzen:

Trockenfutterumstellung:

Die meisten Katzen, die nur Trockenfutter gewohnt sind, tun sich sehr schwer mit der Umstellung. Hier ist der erste Schritt, Ihre Fellnase an ein feuchteres Futter zu gewöhnen. Dabei fangen Sie mit wenigen Tropfen Wasser auf dem Futter an und steigern die Menge an Wasser, die Sie zugeben, in ganz kleinen Schritten. Frisst Ihre Katze erst einmal aufgeweichtes Trockenfutter, können Sie wiederum in kleinen Schritten anfangen, geringe Mengen an gewolftem Fleisch (Bsp. Huhn), unter das Futter zu mischen. Lehnt Ihre Katze dieses Vorgehen ab, dann versuchen Sie, ihr schrittweise ein Nassfutter anzubieten. Hilfreich ist es auch, feste Fütterungszeiten einzurichten.


Nassfutterumstellung:

Wenn Ihre Katze ein Futter mit Soße bevorzugt, dann fangen Sie an, unter die Futterportion kleine Mengen gewolftes Fleisch zu mischen. Die Menge können Sie langsam in kleinen Schritten steigern, bis sie schließlich nur noch die Soße des Nassfutters verwenden.  

Im Prinzip sind Ihrer Fantasie bei der Umstellung keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zermürben lassen. Katzen sind geschickte Lehrmeister, wenn es um das Thema Konsequenz geht.


Literatur

Literatur für Katzen zum Thema Rohfütterung ist leider noch immer recht spärlich. Ich kann Ihnen das Büchlein von Swanie Simon: BARF, Biologisch artgerechtes, rohes Futter (ISBN: 3-939522007) und ein Magazin namens Du Barfst (Ausgabe 3, 2008) – unter der Seite: www.dubarfst.eu empfehlen.